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Tommi Kindersoftwarepreis
Linda Scholz - Spieleratgeber NRW

"Die Stigmatisierung, die das Medium oft in der Gesellschaft erhält, kann ich nicht teilen, da ich digitale Spiele stets mit positiven Aspekten verbinde. Wie bei allen Medien und Konsumgütern sollte die Nutzung natürlich im moderaten Rahmen geschehen."
Ihr erstes Computerspiel?
Ich war noch sehr jung, als mein Vater einen alten Amiga und eine gefüllte Diskettenbox mitbrachte. Besonders am Wochenende saßen wir oft mit der gesamten Familie zusammen und haben die verschiedenen Spiele ausprobiert. Einer meiner Favoriten war "Transplant", ein Shoot'Em Up im Weltraum, in dem man ein Raumschiff steuert und Feinde abschießt. Besonders gut gefallen hat mir, dass wir das Spiel auch zu zweit spielen konnten.

Wie war Ihr Eindruck? 
Schon damals hat mich das digitale Spielen begeistert. Besonders wenn spannende Geschichten erzählt und mit einer motivierenden Spielmechanik verbunden werden, können Spiele begeistern und in faszinierende Welten einladen. Gerade der Faktor der Interaktivität zeichnet das Medium aus und macht es einzigartig.

Wie hat Sie das geprägt?
Auch heute noch sehe ich digitale Spiele als ein geselliges Medium, das verbindet. Wenn man nicht zusammen spielt, kann man über das gemeinsame Hobby sprechen. Die Stigmatisierung, die das Medium oft in der Gesellschaft erhält, kann ich nicht teilen, da ich digitale Spiele stets mit positiven Aspekten verbinde. Wie bei allen Medien und Konsumgütern sollte die Nutzung natürlich im moderaten Rahmen geschehen.

Welchen Anteil nehmen Computerspiele heute in Ihrem Leben ein?
Einen sehr großen. Es gibt so viele unterschiedliche, facettenreiche, clevere, gut durchdachte oder auch einfach unterhaltsame Spiele. Spiele, die emotionale Geschichten erzählen, nostalgisch an die Kindheit erinnern, Logik und Geschick fordern, anregen oder zum Abschalten gespielt werden können. Letztlich ist, nach Johan Huizinga, das Spielen ein elementarer Bestandteil des Menschen. Auch heute ziehe ich es vor, etwas zu spielen (am besten mit Freunden), anstatt passiv einen Film zu schauen.

Worin besteht zum einen Ihrer Meinung nach die Faszination, zum anderen die Qualität eines Spiels?
Ein faszinierendes Spiel kann sich durch eine fesselnde, gut durchdachte Geschichte und ein kreatives, innovatives Gameplay auszeichnen. Jedoch kann auch ein auf den ersten Blick sehr simpel erscheinendes Spiel unglaublich tiefgründig sein, auf einer genialen Idee beruhen oder einfach Spaß machen. 
Ein Spiel kann unterhalten oder zum Nachdenken anregen, muss dies aber nicht. Es sollte aber auf jeden Fall interessant sein und den Spieler auch über das Spiel hinaus beschäftigen.

Was möchten Sie Eltern zu diesem Thema auf den Weg geben?
Schauen Sie, was Ihre Kinder spielen und spielen Sie auch mal gemeinsam mit Ihren Kindern. Letztlich schauen Sie sich im besten Fall auch Filme oder Bücher an, bevor Sie diese an Ihre Kinder geben. Und ein Spielenachmittag kann auch einmal digital geschehen und für Ihre Kinder ist es eine tolle Erfahrung, wenn Sie sich für ihr Hobby interessieren. Auch wenn manchen von Ihnen das Medium fremd erscheint, Sie müssen keine Berührungsängste haben.


Was raten Sie Kindern in Umgang mit Games?
Macht euch darüber Gedanken, was ihr spielt. Ein reflexiver Umgang mit Medien ist wichtig, fragt euch daher auch mal, warum ihr ein Spiel mögt oder warum eben nicht. Seid kritisch: Ist ein Spiel wirklich gut, bloß weil alle es gerade spielen? Gebt Spielen auch mal eine Chance, die vielleicht auf den ersten Blick nicht spannend wirken. Eventuell habt ihr gerade mit solchen Spielen dann tolle Erfahrungen. Und nehmt euch nicht den Spielspaß, wenn ihr euch von jedem Spiel vorab die Let's Plays anschaut. Es ist toll, eine kniffliges Rätsel auch mal selbst zu lösen.


03.06.16