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Tommi Kindersoftwarepreis
Leipzig: Stadtbibliothek Leipzig

Interview mit Silke Gründig:

"Eltern sollten immer Alternativen anbieten, es gilt eine Balance zwischen den Aktivitäten zu finden. Wer seinem Kind nur aufzählt wie schädigend Computerspielen ist, erreicht keinerlei Reaktion. Es gibt auch positive Eigenschaften, wie schnelles Denk- und Reaktionsvermögen, motorische Fähigkeiten, die beim Spielen gefördert werden."
Stellen Sie Ihre Bibliothek in Worten und Fakten vor.
Die Leipziger Städtischen Bibliotheken mit dem zentralen Standort am Wilhelm-Leuschner-Platz, einer Verwaltungsbibliothek im Rathaus und den 15 Bibliotheken in den Stadtteilen sowie einer Fahrbibliothek sind Umschlagplatz von Information und Wissen. Mit ihrem Angebot für Aus- und Weiterbildung, für Freizeit und Unterhaltung und als Ort der Kommunikation leistet sie ihren Beitrag, um Leipzig und die Region attraktiv und lebenswert zu gestalten. Mit jährlich fast 900.000 Besuchern gehören die Leipziger Städtischen Bibliotheken zu den am meisten genutzten Kultureinrichtungen der Stadt.
2012 wurden in unseren Bibliotheken ca. 3,8 Millionen Medien entliehen. Mit einem Bestand von fast 1 Millionen Medien und mit ihren vielfältigen Informationsangeboten sind die Leipziger Städtischen Bibliotheken eine leistungsfähige und moderne Kultur- und Bildungseinrichtung. Zu den Kernaufgaben der Bibliothek gehört es, das Lesen und die selbständige Mediennutzung bei Schülerinnen und Schülern als Schlüsselkompetenz für den Erfolg in Schule, Ausbildung und beim lebenslangen Lernen zu fördern.

Welche Aktivitäten bietet Ihre Bibliothek an?
Mit annähernd 1.000 Veranstaltungen pro Jahr wendet sich die Stadtbibliothek in der Programmarbeit hauptsächlich an ihr Publikum im Kinder- und Jugendalter. Sie verfolgt das Ziel, Lesemotivation und Mediennutzung anzuregen, zu entwickeln und zu festigen sowie die Bibliothek als kulturell geprägten öffentlichen Raum erlebbar werden zu lassen. Tendenziell zielen wir mit unserer Programmarbeit für Kinder und Jugendliche auf den Peergroupeffekt. Die aktive Einbeziehung der Zielgruppen bei der  Medienvermittlung erzielt eine wesentlich größere Authentizität. Die Einbindung in den TOMMI-Softwarepreis trifft genau dieses Anliegen und stellt eine wunderbare Ergänzung dar.  

Haben Sie etwas Besonderes
Im Oktober 2012  sind wir in eine umfangreich sanierte Leipziger Stadtbibliothek gezogen. Jetzt erwartet die Besucher ein Haus, das alle Anforderungen an eine moderne Bibliothek erfüllt. Auf großzügigen 9000 qm stehen 430.000 Medien zur Nutzung bereit und laden zum Lesen und Verweilen ein.  

Welche Rolle haben Ihrer Meinung nach Computer- und Konsolenspiele in der heutigen Kindheit?
Sie sind ein Teil der Kinder- und Jugendkultur und stellen im Zeitalter der Medienkonvergenz auch ein wichtiges Lernmedium dar. Wer seinem Kind den Zugang zu diesen Medien verwehrt, bewirkt eher, dass das Verbotene einen besonderen Reiz erhält. Es kommt darauf an, zielgruppenrelevante Angebote zu unterbreiten und den zeitlichen Faktor festzulegen. Jedes Medium hat seine ureigenen Qualitäten und erfüllt damit die Bedürfnisse des Konsumenten und diese liegen bei den Computer- und Konsolenspielen im interaktiven Bereich.

Welche gängigen Probleme haben aus Ihrer Sicht Eltern und Pädagogen bei Computer- und Konsolenspielen?
Das größte Problem sehe ich in der Unerfahrenheit und Unkenntnis den Markt betreffend. Nach dem Motto, was der Bauer nicht kennt, isst er nicht, scheuen viele Erwachsene den Umgang mit diesem Medium. Dazu kommen die vielen Negativschlagzeilen, die schnell zur Verteufelung führen. Wichtig ist doch, allem Neuen erst einmal eine Chance zu geben und vor allem, den bewussten Umgang zu vermitteln und da stehen meiner Meinung nach die Eltern und Pädagogen auch in der Pflicht den Kindern gegenüber.
Computer- und Konsolenspiele sind aus dem Kinder- und Jugendalltag nicht mehr wegzureden, aber im Mediengebrauch sollten Eltern und Erwachsene unbedingt mitreden, damit es zu keinem übermäßigen Konsum kommt.
Meine Erfahrung ist, dass viele Kinder auch aus Langeweile vor dem Computer oder Fernseher sitzen. Eltern sollten immer Alternativen anbieten, es gilt eine Balance zwischen den Aktivitäten zu finden. Wer seinem Kind nur aufzählt wie schädigend Computerspielen ist, erreicht keinerlei Reaktion. Es gibt auch positive Eigenschaften, wie schnelles Denk- und Reaktionsvermögen, motorische Fähigkeiten, die beim Spielen gefördert werden.
Wie schon erwähnt, der bewusste Umgang ist hier das Entscheidende und das trifft ja für viele Dinge im Leben zu. 

Welche Lösungen können Sie als Bibliothek für diese Probleme anbieten?
Einen Marktüberblick in Informationsveranstaltungen für Eltern und Pädagogen geben, um sie zu befähigen, sich mit ihrem Kind oder Schüler darüber austauschen zu können, denn Kinder wünschen sich auch das Gespräch über ihre Freizeitvorlieben, jedenfalls bis zu einem gewissen Alter. Bibliotheken bieten sich als Teststandort regelrecht an und geben mit ihrem Bestandsangebot eine Möglichkeit der Vorauswahl für Eltern.
Die Seriosität von Bibliotheken ist sprichwörtlich und Eltern können sich darauf verlassen, dass ihre Kinder in unseren Einrichtungen keine Gewalt verherrlichenden Spiele angeboten bekommen. 

 
Welche Rolle haben Bibliotheken im Internetzeitalter?
Bibliotheken sind neben ihrer Rolle als Ort des Wissens und Lernens auch Orte der Unterhaltung, der Freizeitgestaltung. Das Internet als Recherchequelle nutzen zu können ist das eine, aber die Kompetenz zu erlangen, effektive Rechercheergebnisse zu erzielen ist der wesentlichere Aspekt und hier setzt die Rolle der Bibliothek ein, die aktive Literatur- und Medienvermittlung. Bibliotheken ermöglichen allen Kindern und Jugendlichen einen offenen Zugang zu Information und Kultur, unabhängig von sozialer Herkunft und kultureller Prägung.  Durch ihre  außerschulischen und z.T. kostenfreien Angebote bieten sie optimale Voraussetzungen für gleiche Bildungschancen.

Welche Intention verfolgen Sie und Ihre Bibliothek als Partner beim TOMMI?
Uns gefällt der Mitwirkungscharakter. Kinder entscheiden selbst, welche Spiele für sie interessant und preiswürdig sind und lernen gleich ganz nebenbei Medienkompetenz und die kritische Auseinandersetzung mit dieser Medienart. Außerdem gilt es, dass Image der Computer- und Konsolenspiele gegenüber den noch kritischen Eltern und Pädagogen zu verbessern. Wir möchten Türen öffnen für weniger leseaffine Kinder. Durch die Teilnahme am TOMMI können wir vielleicht weitere Interessen wecken und sie auf andere Angebote neugierig machen. Uns ist wichtig ein modernes Bibliotheksbild in den Köpfen von Pädagogen zu verankern. Wir erhoffen uns, dass Bibliotheken als verlässliche Bildungspartner wahrgenommen werden.

Ihre persönliche Vision von Kind und Computer?
Medien sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig und gehören zum alltäglichen Leben dazu. Schon das Kleinkind wird durch sein Umfeld mit der digitalen Welt konfrontiert, wenn vielleicht anfangs noch passiv. Aber im Laufe der Entwicklung bestimmen digitale Medien immer mehr die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen. Sie sollten deshalb die Möglichkeit bekommen sich auszuprobieren, Freiräume zu nutzen und die mediale Vielfalt kennenzulernen. Vor allem liegt es in unserer Verantwortung, sie zu befähigen, sich kritisch mit dieser vielfältigen Medienwelt auseinanderzusetzen.

Das würden wir noch gerne sagen.
Ich wünsche mir, dass wir mit diesem Projekt viele Kinder, Eltern und Pädagogen erreichen und die Wahrnehmung für die Interessen der Kinder bei den Erwachsenen sensibilisiert  wird, sie mehr Verständnis zeigen und nicht nur abwertend die Hände heben für das, was ihren Kindern wichtig ist.
Nach zweijähriger Pause wegen Sanierungsmaßnahmen freuen wir uns wieder auf eine lebendige und spannende TOMMI-Testzeit im September.

 
Leipziger Stadtbibliothek
Wilhelm-Leuschner-Platz 10 / 11
04107 Leipzig
 

Mo, Di, Do, Fr 10:00-19:00 Uhr
Mittwoch     13:00-19:00 Uhr
Samstag     10:00-14:00 Uhr
 

Die Stadtbibliothek Leipzig im Internet


03.06.14