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Tommi Kindersoftwarepreis
Hannover: Stadtbibliothek Hannover

Interview mit Brigitte Dill:

"Viele Erwachsene - Eltern wie Erzieher - stehen dem relativ jungen kulturellen Phänomen der elektronischen Spiele skeptisch gegenüber. Kinder und Jugendliche verbringen oft viel Zeit in virtuellen Welten und Erwachsene bleiben außen vor, besonders dann, wenn sie sich nicht mit Computern auskennen. In vielen Familien herrscht ein regelrechter Kleinkrieg um die Zeit, die am Computer zugebracht werden darf..."

Stellen Sie Ihre Bibliothek in Worten und Fakten vor.
Die Stadtbibliothek Hannover ist ein leistungsfähiges, vernetztes großstädtisches Bibliothekssystem. Dazu gehören die zentrale Stadtbibliothek mit Musikbibliothek, historischen Beständen und Sondersammlungen, 18 Stadtteilbibliotheken und eine Fahrbibliothek sowie zentrale Stellen für ausländische Literatur und Kinder- und Schulbibliotheksarbeit. Alle Standorte halten ein aktuelles und vielseitiges Medien- angebot bereit. Sie sind Informationszentralen in den Stadtteilen sowie kulturelle Orte der Begegnung für Kinder und Jugendliche, Familien und ältere Menschen. Im kulturellen und sozialen Gefüge des Stadtteils sind sie verlässliche Partner und Anlaufstelle für viele Institutionen und Privatpersonen. Die Stadtbibliothek Hannover bietet den Einwohnern insgesamt 1,2 Millionen Medien aus allen Fachgebieten zur Bildungs- förderung sowie für Freizeit und Unterhaltung an. Bei einer Besucherzahl von mehr als 1,5 Millionen konnte 2008 erstmals eine Gesamtausleihe von 4 Millionen überschritten werden. Einen besonderen Schwerpunkt legen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Sprach- und Leseförderung für Kinder und Jugendliche in Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten und Schulen. In diesem Bereich fanden 2008 insgesamt über 1.200 Veranstaltungen statt.
Die Jugendbibliothek und Stadtbibliothek List ist eine der 18 Stadtteilbibliotheken und zentrale Kinder- und Jugendbibliothek des Bibliothekssystems. Gleichzeitig  ist sie mit einem Multimedia-Schwerpunkt versehen. Sie wurde 2003 im Stadtteil List in der Einkaufspassage Podbi-Park durch die Zusammenlegung zweier Bibliotheksstandorte auf 1.100 qm Fläche neu eingerichtet. Eine Besonderheit stellen nicht nur die 18 öffentlichen Internet-Arbeitsplätze, sondern auch die enge Kooperation mit dem Bürgeramt dar. Die Stadtbibliothek und Jugend- bibliothek hält rund 45.000 Medien bereit, darunter zahlreiche CDs und DVDs.

Welche Aktivitäten bietet Ihre Bibliothek an?
Zum Jahresbeginn 2009 erreichte die Stadtbibliothek Hannover mit einem Bilderbuchsonntag, der Auftakt- veranstaltung zur Aktion "Lesestart", insgesamt 1.500 begeisterte Mütter, Väter und Kleinkinder. Unter dem Motto "Babys in die Bibliothek" finden in mehreren Stadtteilbibliotheken regelmäßig Eltern-Kind-Gruppen in Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) statt. Dazu gehört auch die Stadtbibliothek und Jugendbibliothek List.
Zum Schuljahresbeginn 2008 besuchten die Mitarbeiterinnen der Stadtteilbibliotheken rund 4.200 Erstklässler während des Unterrichts mit einer Geschichte und einem "Schulanfänger-Set", um sie gemeinsam mit ihren Eltern in die Bibliothek einzuladen. Für alle Jahrgangsstufen bietet die Stadtbibliothek Hannover ein Spiralcurriculum mit aufeinander aufbauenden Veranstaltungsmodulen an. Als zusätzlichen Service für Schulen können Medienboxen, Klassensätze und Lesekisten ausgeliehen werden.
Die Jugendbuchwoche mit ca. 600 aktuellen Kinder- und Jugendbüchern ist ein besonderes Highlight in Hannover. Nach der Ausstellungseröffnungswoche im Künstlerhaus mit Lesungen und Workshops gehen die Bücher auf Wanderschaft durch die Schulen in Hannover und werden mit szenischen Lesungen und fachlicher Beratung durch die Stadtteilbibliotheken betreut. Im Projekt Lesementoring unterstützen Jugendliche leseschwache Grundschüler beim Lesenlernen und können für ihr ehrenamtliches Engagement den Kompetenz- nachweis Kultur erwerben. Diese Zertifikat wird von den betreuenden Fachkräften aus der Stadtteilkultur und der Stadtbibliothek erstellt und dokumentiert die persönlichen Stärken und die Lernentwicklung der Jugendlichen hinsichtlich ihrer Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen. Die Jugend- bibliothek und Stadtteilbibliothek List ist am Projekt Lesementoring beteiligt.
Daneben hat die Jugendbibliothek und Stadtbibliothek List in den Jahren 2007 und 2008 an der Sommerferien-Leseaktion "Julius-Club" (Jugend liest und schreibt) der VGH-Stiftung und der Büchereizentrale Lüneburg erfolgreich teilgenommen. Zahlreiche andere Aktivitäten wie regelmäßige Bilderbuchkinos, Internet-Einführungen und kulturelle Veranstaltungen mit Musikern und Künstlern aus dem Stadtteil runden das Angebot ab.

Haben Sie etwas Besonderes?
Der Online-Katalog der Stadtbibliothek Hannover verfügt neben den allgemeinen Suchfunktionen über zielgruppengerechte, voreingestellte Recherchen, die ständig aktuelle Titel zu speziellen Interessengebieten mit einbeziehen. Daneben ist eine Kinder-Oberfläche anwählbar, die die Titelrecherche kindgerecht visuell unterstützt. Seit März 2009 bietet die Stadtbibliothek Hannover neben ihren physisch ausleihbaren Medien im Rahmen der DiViBib ein breit gefächertes, digitales Titelangebot, das von den Kundinnen und Kunden über den privaten PC ausgeliehen und herunter geladen werden kann.

Welche Rolle haben Ihrer Meinung nach Computer- und Konsolenspiele in der heutigen Kindheit?
Spielen ist ein Grundbedürfnis für Mädchen und Jungen jeden Alters. Durch das Spielen nähern sich Kinder und Jugendliche der Welt der Erwachsenen. Spiele sind immer Ausdruck ihrer Zeit und somit sind Computer- und Konsolenspiele aus den heutigen Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken.

Welche gängigen Probleme haben aus Ihrer Sicht Eltern und Pädagogen bei Computerspielen und Konsolenspielen?
Viele Erwachsene - Eltern wie Erzieher- stehen dem relativ jungen kulturellen Phänomen der elektronischen Spiele skeptisch gegenüber. Kinder und Jugendliche verbringen oft viel Zeit in virtuellen Welten und Erwachsene bleiben außen vor, besonders dann, wenn sie sich nicht mit Computern auskennen. In vielen Familien herrscht ein regelrechter Kleinkrieg um die Zeit, die am Computer zugebracht werden darf, weil Eltern meinen, dass durch zu exzessives Computerspiel andere wichtigere Aktivitäten wie Sport, Musik, Kunst und soziale Kontakte zu kurz kommen.

Welche Lösungen können Sie als Bibliothek für diese Probleme anbieten?
Aus meiner Sicht gilt es, diese Kluft zwischen den Generationen zu überbrücken. Aus Unkenntnis erwachsen häufig Vorverurteilungen, die für das gegenseitige Verstehen hinderlich sind. Als Öffentliche Bibliothek können wir mit medienbezogenen Veranstaltungskonzepten hierbei eine wichtige Aufgabe leisten. Mit PC-Spiele-Workshops, die sich an Kinder und Erwachsene gemeinsam richten, können Berührungsängste abgebaut und ein gegenseitiges Verständnis geschaffen werden.

Welche Intention verfolgen Sie und Ihre Bibliothek als Partner beim TOMMI?
Durch die Teilnahme am TOMMI möchten wir mehr Medienkompetenz erlangen, um Eltern und Erziehern im Mediendschungel kompetent beratend zur Seite zu stehen.
Darüber hinaus soll unsere Multimedia- bibliothek mit Computer- und Konsolen- spielen ausgestattet werden, um auch Kindern und Jugendlichen den Umgang mit diesen Medien zu ermöglichen, die diesen Zugang zu Hause nicht haben.

Ihre persönliche Vision von Kind und Computer?
Kinder sind technisch oft versierter als viele Erwachsene, trotzdem brauchen sie Orientierung und Hilfestellung im Umgang mit Medien. Mein Ziel ist es, Kindern Anregungen für spannende Freizeitaktivitäten und Informationskompetenz anzubieten. Dazu gehören selbstverständlich auch die Nutzung des Computers, sowie des Internets. Darüber hinaus ist es meine Hoffnung, dass es gelingt, die positiven Möglichkeiten  der neuen Medien aufzugreifen und die Aufmerksamkeit der Kinder gegenüber den Gefahren in der Mediennutzung zu schärfen.

Stadtbibliothek Hannover
Kinder- und Schulbibliotheksarbeit
Hildesheimer Str. 12
30169 Hannover

Stadtbibliothek Varenwald
Varenwalder Str. 92
Lister Str. 11
30165 Hannover

Mo, Do:    11-19 Uhr
Di, Fr:       11-17 Uhr
Mi:            geschlossen
Sa:            11-14 Uhr        

Die Stadtbibliothek Hannover im Internet


03.06.14