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Tommi Kindersoftwarepreis
FEIBEL.DE - Büro für Kindermedien, Berlin

"Nach wie vor haben die Eltern keinen Überblick über den Spielemarkt. Jährlich kommen in Deutschland schätzungsweise 2000 neue Spiele heraus. Gerade durch die nicht gerade sensible Berichterstattung zum Thema Computerspiele, entsteht bei Eltern oft der Eindruck, es gäbe nur noch "Killerspiele". Dem ist nicht so. Wie in allen Medien kann aus einem breiten Genre-Angebot gewählt werden. Doch dazu bedarf es einer gewissen Fachkenntnis."

Thomas Feibel, von FEIBEL.DE, Büro für Kindermedien- Berlin, Sie sind Co-Initiator des Kindersoftwarepreises TOMMI. Bitte stellen Sie Ihre Institution in wenigen Worten vor.
Feibel: Ich bin freier Journalist und leite das Büro für Kindermedien.  Ich schreibe unter anderem für "Spiegel Online", "Die Zeit", "spielen und lernen" und "familie& co.". Zum Thema Kinder, Computer und Medien habe ich viele Bücher geschrieben und halte dazu auch Vorträge.  Darüber hinaus verfasse ich auch Kinder- und Jugendbücher. Bei meinen Lesungen erlebe ich immer das Gleiche: Kinder  sind so froh, wenn sich mal ein Erwachsener mit ihnen über Computerspiele unterhält. Viele Kinder werden in ihren Medienerlebnissen nur selten abgeholt. Das ist gewissermaßen der rote Faden meiner Arbeit. Zum einen beschäftigt mich die Frage, wie stark der Computer die Kindheit verändert hat, zum anderen verstehe ich meine Arbeit als Übersetzungsarbeit, damit auch Eltern einen Teil der Jugendkultur nachvollziehen können.

Welche Aufgaben übernehmen Sie beim TOMMI?
Feibel: Als Co-Initiator bin ich für die Koordination, Gestaltung, den Ablauf und die  Kommunikation zum TOMMI zuständig. Neben dem Kontakt zu den Publishern, bin ich für die Fachjury, Kinderjury und die Pressearbeit verantwortlich.    

Welche Rolle haben Ihrer Meinung nach Computerspiele in der heutigen Kindheit?
Feibel: Computerspiele sind aus der heutigen Kindheit nicht mehr wegzudenken. Das hat auch Gründe, die nichts mit den Games an sich zu tun haben.
1. Wo sollen Kinder überhaupt noch spielen. Die Großstadt ist häufig ein so gefährlicher Moloch, dass es vielen Eltern sicherer erscheint, wenn der  Nachwuchs zu Hause am Computer sitzt.
2. Was sollen Kinder noch spielen? Der gewöhnliche Spielzeugmarkt hat schon kapituliert. Versuchen Sie mal in einem Spielzeuggeschäft etwas für einen 11-12- Jährigen zu finden. Total schwierig.
3. Wann sollen Kinder noch spielen? Sie haben genau so viel Stress wie Erwachsene auch. So gesehen bleibt Kindern oft nichts anderes übrig als ein Computerspiel.

Welche gängigen Probleme haben Eltern und Pädagogen?
Feibel: Nach wie vor haben die Eltern keinen Überblick über die Spielemarkt. Jährlich kommen in Deutschland schätzungsweise 2000 neue Spiele heraus. Gerade durch die nicht gerade sensible Berichterstattung zum Thema Computerspiele, entsteht bei Eltern oft der Eindruck, es gäbe nur noch "Killerspiele". Dem ist nicht so. Wie in allen Medien kann aus einem breiten Genre-Angebot gewählt werden. Doch dazu bedarf es einer gewissen Fachkenntnis. Ignorieren oder verbieten bringt uns nicht weiter. Wer sich heute nicht für Computerspiele interessiert, interessiert sich nicht für seine Kinder.

Welche Lösungen sehen Sie für diese Probleme?
Feibel: Ganz ehrlich: ein Generationswechsel. Schon jetzt fangen Erwachsene an, die selbst jahrelang Computer und Computerspiele verteufelt haben, sich in der Welt von "Second Life" zu verlieren. Meiner Meinung nach werden darüber hinaus gerade die Kinder, die frei entscheiden konnten, was sie spielen und wie lange sie spielen, besonders strenge Eltern. Viele Probleme lassen sich aber vermeiden, wenn die Eltern mit ihren Kindern im Gespräch bleiben und feste Regeln aufstellen. Mein Tipp: Besonderes Augenmerk sollte auf die zehnjährigen Kinder gerichtet werden. Denn im Übergang, wenn die Kindersoftware endet und der nahtlose Übergang zum  Computerspiel erfolgt, sollte Begleitung nicht ausbleiben.

Welche Intention verfolgen Sie als Co-Initiator beim TOMMI?
Feibel: Neben dem Wunsch besonders innovative Spiele auszuzeichnen, geht es mir aber noch um etwas anderes: Wir besetzen mit dem TOMMI das Computerspiele-Thema positiv. Computerspiele können es auch mal mit einer guten Nachricht in die Medien schaffen.  

Ihre Vision von Kind und Computer?
Feibel: Noch nie konnte und wusste eine Kindergeneration so viel wie heute. Kinder können einen ganze Menge am Computer: sie surfen, chatten, telefonieren, spielen, downloaden und und und. Aber ist das wirklich Können? Beginnt das nicht erst, wenn Kinder ihre Fähigkeiten einordnen und in einen Kontext stellen können? So lange Computerspiele auf die Kinder eine ungeheure Faszination haben, sind Eltern gefragt, die ihren Nachwuchs schätzen, fördern und begleiten.


04.09.13