Login für registrierte Nutzer

Tommi Kindersoftwarepreis
Eva-Maria Urban, Stadtbibliothek Leverkusen

"In Bibliotheken wird derzeit gerne das Bild vom Lotsen im Informationsdschungel bemüht: Bibliothekarinnen und Bibliothekare lernen im Studium das Bewerten und Ordnen von Informationen, im Internetzeitalter eine unschätzbare Fähigkeit. Dieses Wissen vermitteln wir gerne weiter."

Stellen Sie Ihre Bibliothek in Worten und Fakten vor.
Um das Jahr 1900 entstanden in Wiesdorf und mehreren anderen späteren Leverkusener Stadtteilen die ersten öffentlichen Büchereien. 1930 wurde Leverkusen gegründet, seitdem ist Wiesdorf das Stadtzentrum und hier liegt auch die Hauptstelle der Stadtbibliothek (das früher selbständige Opladen kam erst 1975 zur Stadt und brachte eine eigene Bücherei als Zweigstelle mit). Derzeit verfügt die Stadtbibliothek über zwei größere Zweigstellen in Opladen und Schlebusch sowie zwei kleinere, ehrenamtlich geführte Zweigstellen in Steinbüchel und Hitdorf.
Die Stadtbibliothek hat einen Ausleihbestand von mehr als 120.000 Medien, über 70.000 davon allein in der Hauptstelle. Neben den klassischen Printmedien, also Büchern und Zeitschriften, machen audiovisuelle Medien, d.h. DVDs, CDs, CD-/DVD-ROMs sowie Konsolenspiele, mehr als 10 % des Gesamtbestandes aus.
Während die Zweigstellen der Stadtbibliothek als Schul- und Stadtteilbibliotheken fungieren, liegt die Hauptstelle zentral eingebunden in die 2010 neu eröffnete Rathaus-Galerie. Seitdem wird die Verbuchung durch moderne RFID-Technik unterstützt.

Welche Aktivitäten bietet Ihre Bibliothek an?
Die Veranstaltungstätigkeit der Stadtbibliothek Leverkusen richtet sich hauptsächlich an Kinder und Jugendliche. Neben den überall obligatorischen Bibliothekseinführungen von Vorschule bis Abitur (einschließlich Internet- und Recherchetrainings) betreibt die Stadtbibliothek aktiv Leseförderung.
Kinder zwischen 5 und 8 Jahren sind zur wöchentlichen Vorlesestunde unter dem Motto "Lesen verleiht Flügel" eingeladen. Unsere ehrenamtlichen Vorlesepatinnen und -paten unterhalten die kleinen Zuhörer mit Geschichten und Basteleien zu verschiedenen Themen.
Der Vorlesewettbewerb für die 4. Klassen der Leverkusener Grundschulen findet seit über 25 Jahren statt. Ähnlich wie bei dem Vorlesewettbewerb des Börsenvereins für die 6. Jahrgänge zeigen die "Grundschulabsolventen" kurz vor Schuljahresende, was sie draufhaben - Lesefähigkeit und Textgestaltung bei bekannten und unbekannten Texten werden von den Schulsiegerinnen und -siegern in einer großen Abschlussrunde vor einer fachkundigen Jury präsentiert und mit Preisen belohnt.
Alle zwei Jahre bündeln die Leverkusener Kultur- und Bildungseinrichtungen ihre Kräfte in der Leverkusener Buchwoche unter Federführung von Kulturbüro und Stadtbibliothek. Immer im April, rund um den Tag des Buches, steht Leverkusen eine Woche lang ganz im Zeichen der Literatur - ob selbstgeschrieben oder vorgelesen, ob als Soloveranstaltung oder Kunstfusion.

Haben Sie etwas Besonderes?
Wir bemühen uns ganz gezielt um Schülerinnen und Schüler, z.B. im Rahmen der Bildungspartnerschaft NRW, die uns die Einrichtung des Schülercenters (mit Unterstützung des Landes NRW) ermöglicht hat, eines Raums, der während der Aus-leihstunden den Schülern zur Verfügung steht und mit einem PC sowie Drucker, z.B. zur Erstellung von Referaten, ausgestattet ist. In unmittelbarer Nähe befinden sich auch die Lernhilfen sowie die Informationen zur Berufswahl und Bewerbung. Im Schülercenter arbeitet übrigens auch unsere TOMMI-Jury. Zum Glück liegt der TOMMI-Test außerhalb der Abiturzeit, denn dann ist unser Haus überfüllt.
Die Stadtbibliothek ist auch Projektteilnehmerin bei der Deutschen Internetbibliothek (www.internetbibliothek.de). Wer schon immer wissen wollte, wie hoch Fliegen fliegen oder wie Aluminium hergestellt wird, darf uns gerne Löcher in Bauch fragen.

Welche Rolle haben Ihrer Meinung nach Computer- und Konsolenspiele in der heutigen Kindheit?
Unübersehbar eine sehr große. Vor allem auch eine identitätsstiftende, wie z.B. Eltern, deren Kinder bei einem Umzug die Schule wechseln, leicht feststellen können. Zumindest bei Jungs werden neue Bekanntschaften ganz schnell über gemeinsame Spielerfahrungen geschlossen, egal, ob die 8jährigen ihre Pokemon austauschen oder die 16jährigen bei "Knights of the Old Republic" ausdiskutieren, ob sie als wackerer Jedi oder als finsterer Sith erfolgreicher sind (und wie man diese blöde Tür auf dem Raumschiff aufkriegt...). Und es ist bestimmt nicht unwichtig, dass kaum ein Papa oder eine Mama beim Plattformhüpfen und Pilzesammeln mit den Sprösslingen mithalten kann.

Welche gängigen Probleme haben aus Ihrer Sicht Eltern und Pädagogen bei Computerspielen und Konsolenspielen?
Wahrscheinlich einfach dieselben Probleme wie ihre eigenen Eltern mit dem Fernsehkonsum und deren Eltern mit Comicheften. Es ist neu, es ist eine Jugenddomäne, die Experten vertreten unterschiedliche Meinungen und die Medien betonen meistens die problematischen Aspekte des neuen Mediums. Da man zudem keine eigenen Erfahrungen damit gesammelt hat, steht man der kindlichen Begeisterung eher hilflos und damit leider auch oft ablehnend gegenüber. Oder man gibt nach und weiß dann eventuell nicht, womit die Kinder konfrontiert werden.

Welche Lösungen können Sie als Bibliothek für diese Probleme anbieten?
Die wichtigste ist natürlich: bei uns kann man viele Spiele für Kinder und Jugendliche ausleihen, selbst testen und vielleicht beim Spielen von "Sims 3" oder "Pro Evolution Soccer" erfahren, was denn den Reiz der simulierten Wirklichkeit ausmacht. Des Weiteren bieten wir den Eltern die Sicherheit, dass ihre Kinder bei uns ausschließlich Spiele entleihen können, die eine USK-Freigabe für ihr Alter haben. In unserem Jugendbereich "Time 2 Chill" befindet sich übrigens auch ein Konsolenspielplatz, der besonders in den Schulferien intensiv genutzt wird - unschlagbar beliebt ist Fußball.

Welche Rolle haben Bibliotheken im Internetzeitalter?
In Bibliotheken wird derzeit gerne das Bild vom Lotsen im Informationsdschungel bemüht: Bibliothekarinnen und Bibliothekare lernen im Studium das Bewerten und Ordnen von Informationen, im Internetzeitalter eine unschätzbare Fähigkeit. Dieses Wissen vermitteln wir gerne weiter, z.B. in Recherchetrainings für Oberstufenschüler. Immerhin, seit dem Guttenberg-Skandal müssen wir den Begriff "Plagiat" nicht mehr erklären...
Auch im alltäglichen Beratungsgespräch sehen wir unsere Aufgabe darin, unseren Kunden Wege zu zeigen, auf denen sie ganz individuell zum Ziel gelangen können. Das kann z.B. im Bereich Computer- und Konsolenspiele der Hinweis auf Unterschiede zwischen Verkaufs-, Fan- und Informationsseiten sein, der dann wiederum die Gewichtung verschiedener Meinungen ermöglicht.

Welche Intention verfolgen Sie und Ihre Bibliothek als Partner beim TOMMI?
Wir bieten seit 1997 Kinder- und Erwachsenensoftware an, bislang ausschließlich für PC. Spiele haben, gerade im Kinder- und Jugendbereich, von Anfang an dazu gehört. In der Praxis erleben wir immer wieder die Unsicherheit von Eltern und Lehrern im Umgang mit Computerspielen und die daraus resultierenden Konflikte mit den Kindern. Wir freuen uns daher über die Gelegenheit, den Kindern ein Forum für ihr Hobby bieten zu können und ganz nebenbei ein wenig zum Abbau von - bestimmt nicht unberechtigten - Erwachsenenängsten beizutragen. Insbesondere hoffen wir darauf, dass der TOMMI sich wie der Kindersoftwareführer zu einem "Navigationspunkt" entwickelt, der nicht auf abstrakten Überlegungen, sondern auf der Freude am Spiel basiert.
Von Anfang an haben wir die Kooperation auch dazu genutzt, unser Angebot und unsere Vermittlungskompetenz auf Konsolenspiele auszuweiten, eine Entscheidung, die sich nicht nur positiv auf die Ausleihstatistik ausgewirkt hat, sondern uns auch in der Zusammenarbeit mit den Schulen eine neue Positionierung ermöglicht.

Ihre persönliche Vision von Kind und Computer?
Ich freue mich auf den Tag, an dem der Computer in der Kinderwelt und im Bewusstsein von Eltern und Erziehern den Platz einnimmt, der ihm zusteht: den einer Maschine, mit der man im Alltag arbeitet und in der Freizeit spielt. Ein Gerät, das ebenso vertraut ist wie ein CD-Player und über das man ebenso wenig diskutieren muss. Und das vor allem nur eines von vielen Dingen ist, mit denen ein Kind sich beschäftigt. Kein Babysitter, keine Lernmaschine und auch kein Teufelswerk.
Schließlich kommt der Ernst des Lebens früh genug ^-^.


03.06.15