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Tommi Kindersoftwarepreis
Anatol Locker - freier Journalist


"Gute Spiele erzeugen einen Flow, der den Spieler Zeit und Raum vergessen lässt. Besonders gute Spiele regen zusätzlich die Gefühlswelt an."

Ihr erstes Computerspiel?
"Fußball" am Kosmos-Computerbaukasten "Logikus". Statt einem Monitor gabs zehn Glühlämpchen; zum Programmieren stöpselte man Drähte in eine Schalttafel. Ein idiotischer Aufwand für drei Minuten Spaß. "Pong" kam vier Jahre später und war wesentlich benutzerfreundlicher.

Wie war Ihr Eindruck? Wie hat Sie das geprägt?
Ich fand Computer zu cool, um sie nur rechnen zu lassen. Mir eröffneten sie neue Welten, Erlebnisse und Sichtweisen - vor allem die Spiele. Mit meinem frisch erworbenem C64-Wissen versuchte ich meine chronisch knappe Studentenkasse aufzubessern. Ich bekam einen Job bei einem Computermagazin. Seitdem arbeite ich als Journalist mit Schwerpunkt Technik und Technologie.

Welchen Anteil nehmen Computerspiele heute in Ihrem Leben ein?
Ich surfe, lese Magazine und Bücher, höre Podcasts, gehe ins Kino - und spiele eben gerne. Als Chefredakteur der Kinder-Computerzeitschrift "Bravo ScreenFun" habe ich mich die letzten zehn Jahre viel mit Games beschäftigt. Und im "Spieleveteranen-Podcast" quatsche ich mit den Kollegen Heinrich Lenhardt, Boris Schneider und Jörg Langer regelmäßig über alte und neue Spiele.

Worin besteht zum einen Ihrer Meinung nach die Faszination, zum anderen die Qualität eines Spiels?
Gute Spiele erzeugen einen Flow, der den Spieler Zeit und Raum vergessen lässt. Besonders gute Spiele regen zusätzlich die Gefühlswelt an. Leider erzeugt die Computerspieleindustrie zu viel Mittelmaß und setzt mehr auf Effekthascherei als auf gute Ideen. Software für Kinder ist oft fantasievoller, ideenreicher - schwächelt dann aber in der Präsentation.

Was möchten Sie Eltern zu diesem Thema auf den Weg geben?
Lassen Sie sich nicht von der Medienhysterie anstecken, sondern bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Interessieren Sie sich für das Thema - es nimmt im Leben Ihrer Kinder einen großen Stellenwert ein. Lassen Sie sich von ihnen zeigen, was sie spielen (und gehen Sie davon aus, dass Sie nicht alles zu sehen bekommen).
Wenn Sie Spiele kaufen, bieten die Einschätzungen der USK eine solide, verlässliche Grundlage.
Und das Wichtigste: Stellen Sie klare Regeln und Zeiten auf. Ohne Konsequenz geht es nicht. Sie lassen Ihre Kinder ja auch nicht tagelang unbeaufsichtigt vor dem Fernseher hocken.

Was raten Sie Kindern in Umgang mit Games?
So großartig Spiele sind: Man muss lernen, mit ihnen umzugehen. Sie sind höllische Zeitfresser! Außerdem finde ich es wichtig, dass die Kinder ihren eigenen Geschmack zu entwickeln und zu vertreten wissen.

01.09.13